Meinungen zum Wald

Stellungnahme von Stutenseer Ärzten zur geplanten Abholzung des Lachwaldes:
Der Biophilia-Effekt

Dass Ärzte sich für die Erhaltung des Lachwaldes einsetzen, sollte keinen verwundern. Schließlich bemühen wir uns tagtäglich um die Bewahrung von Leben und um Gesundheit. Das ist unser Beruf!

Und Bäume und Pflanzen im Wald sind eben auch lebende Wesen und die darin wohnenden Tiere allemal, auch wenn das manche nicht wahrhaben wollen.

Nach einem Spaziergang im Wald fühlen wir uns gut. Bisher war das nur eine subjektive Empfindung. Inzwischen ist die Wechselwirkung zwischen Natur und Mensch wissenschaftlich erforscht. Die Wissenschaftler sprechen vom Biophilia-Effekt. Der Begriff Biophilie geht auf Erich Fromm zurück und bedeutet die Liebe zu allem Lebendigen.

Die Forschung hat entdeckt, dass Wälder nicht nur Wasserspeicher, Sauerstoffproduzenten, Naherholungsgebiet, Holzlieferanten, Luftreiniger und Heimat für viele schützenswerte Tiere und Pflanzen sind, was in der Tat schon mehr als genügend Gründe wären, um sie zu erhalten, sondern dass Bäume darüber hinaus aktive Wesen sind, die untereinander, mit ihrer Umwelt und mit uns Menschen kommunizieren. Dadurch haben sie eine heilende Wirkung auf uns!  Allerdings müssen wir dazu regelmäßige Waldspaziergänge machen.

Das Einatmen von Waldluft ist wie Medizin. „Waldbaden“ ist in Japan bereits eine anerkannte Methode zur Krankheitsvorbeugung.

„So ein esoterischer Mumpitz!“ werden jetzt die Ersten schimpfen. Bevor Sie sich jedoch ereifern, sollten sie sich erstmal schlau machen. Setzen Sie sich an Ihren PC und googeln das Wort Biophilia-Effekt oder schauen Sie sich Beiträge auf YouTube an. Sie dürfen gespannt sein!  Was Sie dort erwartet, ist hoch interessant und aufregend. Das sind wissenschaftliche, messbare Fakten. Hier ist aber noch viel Forschung notwendig.

Waldspaziergänge stärken unser Immunsystem und dienen möglicherweise der Krebsprävention. Verantwortlich dafür sind bioaktive Substanzen, darunter auch Terpene, die wir über die Atmung und Haut aufnehmen. Terpene sind sekundäre Pflanzenstoffe und ätherische Öle, die aus Blättern, Nadeln und anderen Pflanzenteilen stammen. Sie sind in der Lage, unsere körpereigenen Killerzellen zu aktivieren – jene Zellen also, die unter anderem Viren und Krebszellen erkennen und zerstören. Bereits ein einziger Tag in einem Waldgebiet steigert die Zahl unserer natürlichen Killerzellen im Blut um fast 40 Prozent. (Qing Li ,Society of Forest Medicine Japan, Nippon Medical School Tokyo)

Darüber hinaus hat man entdeckt, dass der Aufenthalt im Wald unser Stresshormon Cortisol (gemessen im Speichel) senkt und den „Beruhigungsnerv“ Parasympathikus stimuliert. Das wirkt beruhigend und blutdrucksenkend, Überaktive Kinder werden nach Spielen auf Waldspielplätzen deutlich ruhiger, sodass man sogar von natürlichem Ritalin spricht. Waldkindergärten erfreuen sich immer größer werdender Beliebtheit, nicht ohne Grund.

Da Gesundheit und Wohlergehen bekanntermaßen das höchste Gut der Menschen sind, sollten wir diese rein materiellen Interessen nicht unterordnen. Bezahlbarer Wohnraum und behinderten- und altengrechtes Wohnen sind uns Ärzten natürlich ebenfalls wichtig. Dies kann man mit erhöhtem Aufwand und Ideenreichtum sicherlich auch anderswo ermöglichen, wenn man es ernsthaft will.

Die Zerstörung eines 100 Jahre alten Waldes mit all seinen wichtigen Funktionen lässt sich aber in absehbarer Zeit nicht ausgleichen und schon gar nicht kostenneutral.

Dr. Emmerich                                          Dr. Gomer                                        Fr. Daum-Schäfer
Dr. Fey                                                    Dr. Zimmer                                       Dr. Unger
Dr. Krisch                                                Dr. Saschin                                       Dr. v.Knobloch
Drs. Gisela und Uli Lange


Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Antrittsbesuch
in Baden-Württemberg :

SWR-Nachrichten: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich am zweiten und letzten Tag seines Antrittbesuchs in Baden-Württemberg für den Schutz der Wälder ausgesprochen. Der Wald spiele für den Natur- und Klimaschutz eine bedeutende Rolle, sagte er bei einer Wanderung im Nationalpark Schwarzwald am Dienstag. Ihm müsse in der Gesellschaft ein hoher Stellenwert eingeräumt werden.

Quelle: SWR-NachrichtenSteinmeier ruft zum Waldschutz auf

BNN: „Dabei spiele der Wald eine wichtige Rolle im Naturschutz und sei ein Lebens- und Erholungsraum. In der Gesellschaft müsse dem Wald daher ein hoher Stellenwert eingeräumt werden.

Quelle: BNN Hardt-Ausgabe: 5. Juli 2017, Seite 3: Präsident schnürt Wanderschuhe


 

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