Bezahlbares Wohnen in Stutensee – nur wenn der halbe Lachwald abgeholzt wird?

Bezahlbarer Wohnraum nur auf stadteigenen Grundstücken?

Von der Stadtverwaltung und den großen, im Stutenseer Gemeinderat vertretenen Fraktionen, CDU/FDP, Freie Wähler und SPD wird immer wieder gebetsmühlenhaft behauptet, dass die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum nur auf stadteigenen Grundstücken möglich sei. Und weiter, dass dies nur im Büchiger Lachwald möglich wäre, weil der Wald der Stadt gehört. Betrachten wir einmal diese Aussagen und lassen beiseite, dass in Stutensee immer noch nicht quantifiziert ist, wieviel bezahlbares Wohnen in den nächsten Jahren überhaupt gebraucht wird. Ist es wirklich so, dass zurzeit nur im Lachwald bezahlbares Wohnen ermöglicht werden kann? Die folgenden Ausführungen schließen sich der Argumentation von FH in seinem Kommentar zum Artikel „Keine Kompromisse beim Lachwald – Wir brauchen einen Neuanfang in Stutensee“ (hier) an.

Variante 1:

Es ist von der Stadt vorgesehen, rund die Hälfte des Lachwaldes zu bebauen (Baugebiet Lachwald II). Etwa ein Drittel der Fläche ist für kostengünstiges Wohnen vorgehsehen, während zwei Drittel als Bauland verkauft werden sollen. Für diese zwei Drittel erwartet die Stadt einen Verkaufserlös, also Einnahmen, von 8,5 Mio Euro. Das bedeutet, dass das andere Drittel, das ja ebenfalls bebaut werden soll, einen Wert von rund 4,2 Mio Euro hat.

Würde dieses Drittel genauso frei verkauft, würde die Stadt, bei der immer wieder thematisierten großen Nachfrage, ohne Probleme mindestens 4,2 Mio Euro einnehmen. Die Stadt verzichtet aber auf den Verkauf, weil dort bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden soll.

Das heißt, die Stadt subventioniert bezahlbares Wohnen im Baugebiet Lachwald II mit 4,2 Mio Euro.

Variante 2:

Die Stadt verzichtet in einem anderen, oder in mehreren anderen Baugebieten, ebenso wie im Lachwald geplant, auf Einnahmen aus Grundstücksverkäufen in Höhe von 4,2 Mio Euro, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Beispielsweise auf dem Gelände Neiße/Altes Bad oder der ehemaligen Schreinerei gleich westlich der Bahn. Oder aber bei den der Stadt aus Umlegung/Abschöpfung zufallenden Grundstücken in Baugebieten, die ihr ursprünglich nicht gehörten, z. B. im Norden Stutensees.

Das heißt, die Stadt subventioniert auch hier bezahlbares Wohnen mit 4,2 Mio Euro.  

Auf wieviel Quadratmetern könnte man dann bezahlbaren Wohnraum schaffen? Das hängt natürlich vom jeweiligen Quadratmeterpreis ab. Die Rechnung ist aber ganz einfach: bei 400 Euro/m² wären das 10.500 m², bei 500 Euro/m² 8.400 m², bei 600 Euro/m² noch 7.000 m² Baugrund auf dem bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden könnte usw.. Aber wie hoch ist der Bedarf wirklich? Die Frage ist eben noch nicht beantwortet (siehe oben). Vielleicht braucht man gar keine 4,2 Mio Euro?

Fazit:

Bei beiden Varianten subventioniert die Stadt bezahlbares Wohnen mit 4,2 Mio Euro.

Der Unterschied liegt darin, dass bei Variante 1 wertvoller Wald unwiederbringlich abgeholzt und bebaut wird, mit allen nachteiligen Folgen für die Büchiger Bürgerinnen und Bürger und für Natur und Umwelt.

Bei Variante 2 bekäme man zumindest dort, wo man ursprünglich keine Grundstücke hatte, die Investition in die Grundstücke nicht zurück. „Das wäre nachhaltig und würde direkt die verursachende Generation belasten“ schreibt FH in seinem oben genannten Kommentar zu Recht.

Aber ganz wichtig: Der Lachwald mit allen seinen positiven Eigenschaften bliebe den Bürgerinnen und Bürgern erhalten!

Warum wird die Lachwaldabholzung so vehement verfolgt?

Es ist klar ersichtlich, dass es der Stadtverwaltung, und den großen Fraktionen im Gemeinderat letztendlich nur darum geht, Geld (8,5 Mio Euro) aus dem Verkauf von zwei Dritteln des halben Lachwaldes einzunehmen, um die auflaufenden Schulden etwas zu verringern. Und das, so denken wohl unsere Kommunalpolitiker, geht besonders gut, wenn man die Verantwortung für bezahlbaren Wohnraum in den Vordergrund schiebt. Eine Verantwortung, die aber, wie oben gezeigt wurde, auch woanders wahrgenommen werden kann oder längst hätte wahrgenommen werden können.

Nicht umsonst hat die Stadt beim Bürgerbegehren einen Kostendeckungsvorschlag in Höhe von 8, 5 Mio, also dem erhofften Verkaufserlös von Lachwaldbaugrund, verlangt. Hätte sie einen Kostendeckungsvorschlag zur Finanzierung von bezahlbarem Wohnraum gefordert, hätte man es vielleicht noch verstehen können.

Sehr geehrte Mitglieder der Gemeinderatsfraktionen von CDU, FDP, Freien Wählern und SPD, man kann auch woanders in Stutensee bezahlbaren Wohnraum schaffen, nicht nur im Lachwald.

Man muss nur wollen!

 

Anmerkung:
In diesem Zusammenhang sei noch auf die Beiträge
von Gerald Steinig „Bezahlbares Wohnen“ contra Lachwald in der Stutensee Woche Nr. 44  (hier) und
von Volker Stelzer „Bebauung 24-Morgenäcker: Geht so bezahlbares Wohnen?“ in der Stutensee Woche Nr. 48 (hier) hingewiesen.

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1 Kommentar zu "Bezahlbares Wohnen in Stutensee – nur wenn der halbe Lachwald abgeholzt wird?"

  1. Man muss die Stadt und die großen Gemeinderatsfraktionen immer daran erinnern, dass sie beim Bürgerbegehren argumentierten, dass nicht erzielte Einnahmen mit Kosten gleichzusetzen sind und deswegen ein Kostendeckungsvorschlag verlangt wurde. Mit dieser Logik sind nun eben aber auch die nicht erzielten Erlöse im Falle der nicht vollständig freien Vermarktung des halben Lachwalds Kosten.

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