Wer glaubt noch an Märchen – die Stadtverwaltung informierte

In der Rubrik „Die Stadtverwaltung informiert“ in der Stutensee Woche Nr. 34, Seite 2, wirbt die Stadt Stutensee wieder mächtig für eine Lachwaldbebauung.

Zitat Stadt:

Unser Stutensee. Unser Zuhause. Ein neues Stadtquartier in Stutensee? Diese Frage beschäftigt viele von uns… …Damit der Wohnraum bezahlbar ist und auch langfristig bezahl­bar bleibt, müssen wir auf Grundstücken bauen, die uns als Stadt bereits gehören. So wäre dies im Gebiet Lachwald II möglich.

Wie immer wird zunächst die Notwendigkeit von bezahlbarem Wohnen in den Vordergrund gestellt und das natürlich im Zusammenhang mit dem Lachwald, weil der ja der Stadt bereits gehört. Aber nur der Lachwald?

Bezahlbarer Wohnraum auch ohne Abholzung des Lachwalds!

Warum macht die Stadt nicht Nägel mit Köpfen und macht aus dem Neiseareal ein Wohngebiet, in dem mehr als 30% für sozialverträgliches Wohnen vorgesehen sind. Vielleich 60% oder gar alles. Es würde sich doch anbieten, die ganze notwendige Infrastruktur (Schulen, Schwimmbad, Sporthalle, ÖPNV, Einkaufsmöglichkeiten, Gesundheitsversorgung, Rathaus usw. ) ist in einem Maß und in nächster Umgebung vorhanden, wie sonst nirgends in Stutensee. Und man bräuchte keinen Wald abzuholzen. Oder warum hat man im Büchiger Neubaugebiet Lachenfeld 22 stadteigene Grundstücke meistbietend und sehr teuer verkauft und sie nicht für bezahlbares/sozialverträgliches Wohnen genutzt. Was ist mit dem Areal der ehemaligen Schreinerei an der Eggensteiner Straße? Und was ist mit den Grundstücken in neuen Baugebieten, die der Stadt im Rahmen der Umlegung/Abschöpfung zufallen? Auch dort könnte man sozialverträglich bauen, wenn man wollte. Aber will man?

Lachwald II: 30% für bezahlbares Wohnen, damit 70% teuer verkauft werden können!

Nein, denn im Lachwald ist es viel besser, wenn man nämlich 30% bezahlbaren Wohnraum schafft, kann man ja 70% teuer verkaufen und mit dazu nutzen, um rund 40 Mio Euro Schulden abzubauen. Mit den Rücklagen geht es nämlich nicht, die werden laut Haushaltsplan 2017 (Seite 19) von ehemals über 16 Mio Euro (Jahr 2015) auf rund 1,2 Mio (Jahr 2020) abgebaut und liegen damit im Bereich der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestrücklage.

Zitat Stadt:

Vorzeigequartier. Wir denken heute schon an morgen: Deshalb wollen wir vor Ort ein Stadtquartier schaffen, das Maßstäbe setzt. Ein Quartier, in dem wir ökologische Bauformen fördern und schlüssige, innovative Verkehrs- und Energiekonzepte anwenden. Wir auf Sicherheit, Energieeffizienz und moderne Technologien setzen. Wo wir die bereits vorhande­ne Infrastruktur wie Stadtbahn, Schule, Einzelhandel nutzen und damit zusätzlich die Attraktivität des neuen Viertels steigern. Ein Quartier, in dem wir nicht nur bezahlbaren Wohnraum anbieten können – sondern man auch gerne, gut und grün wohnen wird. Grün? Ja. Denn die Natur liegt uns am Herzen.

Jetzt soll ein Quartier – nicht etwa nur ein Wohnbaugebiet-  entstehen, wenn der Lachwald abgeholzt wird. Ein Quartier mit tollen Eigenschaften, die sich wie aus der Wundertüte eines Stadtplaners anhören. Es wird gerne auf Freiburg mit seinem Quartier Vauban verwiesen, einem Wohngebiet von über 40 ha, das auf einem ehemaligen Kasernengelände entstanden ist und in dem jetzt mehr als 5000 Menschen leben. Es hat eine eigen Infrastruktur mit Läden, Handwerksbetriene usw.  und es wurde kein Wald dafür abgeholzt. Greift da die Stadtverwaltung nicht deutlich zu hoch?

Bei Lachwald II wird auf die vorhande Infrastruktur in Büchig gesetzt

Aber das neue Quartier im Lachwald baut ja auf die vorhandene Infrastruktur in Büchig, die sich seit vielen Jahren und trotz der neuen neuen Baugebiete, wie Büchig 21 und Lachenfeld nicht verändert hat. Schule: überlastet, Kindergärten: zu klein, Einkaufen: ein Lebensmittelmarkt, Ärzte: ein praktischer Arzt, eine Zahnärztin usw.. Keine Veränderung, obwohl wenn man  Lachwald II dazurechnet, rund 1500 Menschen dazugekommen sind!

Zynische Aussage

Und wer soll die Aussage: Grün? Ja. Denn die Natur liegt uns am Herzen“ noch glauben, wenn die Stadt und damit verantwortlich der Oberbürgermeister fast 7 ha wertvollen Mischwald abholzen wollen. Dies Aussage ist zynisch gegenüber den mittlerweile mehreren  tausend  Stutenseer Bürgerinnen und Bürger, die den Lachwald erhalten wollen.

Zitat Stadt:

Ganz Stutensee profitiert. Nicht nur die Bewohner profitieren von ihrem Quartier, sondern ganz Stutensee. Denn trotz der bezahlbaren Mietpreise können wir – wie für solche Maßnahmen üblich – einen Erlös aus dem Stadtquartier erzielen. Dieses Geld wollen wir für Projekte in der ganzen Stadt einsetzen…

Ganz Stutensee profitiert? Nur Büchig nicht!

Büchig hat schon jetzt im Gebiet Buchenring die höchste Wohndichte. Büchig ist schon jetzt aufgrund der hohen Wohndichte ein sozialer Brennpunkt. Büchig hat in verhältnismäßig kurzer Zeit durch die Baugebiete  Büchig 21, Lachenfeld und jetzt noch geplant Lachwald II mit etwa 1500 Menschen den größten Zuwachs in Stutensee. Büchig muss mit immer mehr Verkehr fertig werden. Und das bei unveränderter Infrastruktur (siehe oben). Büchig soll seinen halben Lachwald verlieren, ein Naherholungsgebiet, das wegen der in unmittelbarer Nähe wohnenden Menschen gar nicht hoch genug eingeschätzt weren kann.

Und das nur, weil die Stadt aufgrund der hohen Grundstückspreise in Büchig das meiste Geld verdienen kann! Mal wieder profitieren die übrigen Stadtteile Stutensees auf Kosten Büchigs. Das werden die Büchiger bestimmt nicht akzeptieren!

Zitat Stadt:

Aktive Bürgerbeteiligung. Ein neues Stadtquartier in Stutensee? Ihre Meinung ist uns wich­tig. Wir wollen Sie daher aktiv einbinden : Demnächst startet eine große Bürgerbeteiligung zum geplanten Neubaugebiet mit einer großen Auftaktveranstaltung in der Festhalle Stutensee… …Der Prozess wird mit zwei Perspektivwerkstätten fortgesetzt… … Die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt können sich aktiv mit Vorschlägen beteiligen. Kommen Sie vorbei und diskutieren Sie mit, wir freuen uns auf die gemeinsame Erarbeitung mit Ihnen! Wir wollen, dass unser Stutensee lebenswert bleibt. Für Sie – die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt.

Die Bürgerbeteiligung hätte viel früher kommen müssen!

Eine große Bürgerbeteiligung und eine große Auftaktveranstaltung! Auch das klingt wieder toll. Endlich mal eine Bürgerbeteiligung, die wir schon immer in Stutensee vermißt haben. Obwohl bekannt war, dass ein Bürgerbegehren zur Lachwaldrettung angestrebt wurde, hat die Stadt mit der „Planungswerkstatt“ ein 30.000 Euro teures Projekt gestartet. Es sollen 76 Stutenseer Bürgerinnen und Bürger unter anderem darüber befinden, ob der Lachwald zwecks Bebauung und Grundstücksverkauf zugunsten der Stadt abgeholzt werden soll.

Rechenbeispiel

Machen wir mal ein Rechenbeispiel: Alle 76 sind für die Abholzung und Bebauung des halben Lachwaldes, was zugegegeben recht unrealistisch ist. Im Frühjahr 2017 haben sich mehr als 2600 Menschen durch ihre Unterschrift für den Lachwald ausgesprochen. Jetzt waren es  im Rahmen des Bürgerbegehrens sogar über 3300! 76 gegen mehrere tausend Bürgerinnen und Bürger?  Ach so, man kann auch andersherum rechnen. Wenn sich die Mehrheit der 76 für den Erhalt des Lachwalds ausspricht, was dann? Werden sich die Stadt und CDU/FDP, Freie Wähler uns SPD im Gemeinderat davon beeinflussen lassen, wenn sie vorher schon die Willensbekundung mehrerer tausend Bürgerinnen und Bürger zum Lachwalderhalt nicht sonderlich beeindruckt hat?

Das kann sich jeder für sich ausrechnen. Aber vielleicht gibt es bei Stadt, Oberbürgermeister und den großen Fraktionen im Gemeinderat ein Umdenken? Wie heißt es so schön:

…die Hoffnung stirbt zuletzt!

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